Warum ich schreibe oder Über mich 21/06/26
Schlussendlich sind es Gedanken. Aber von vorn.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie man etwas anfangen soll, von dem man nicht weiß, was es ist. Oder was es werden wird. Aber dann stellt man sich die Frage, ob es wirklich der Anfang ist, oder ob es nicht schon längst begonnen hat. Eine Entwicklung, die man gar nicht bewusst angestoßen hat, sich aber doch irgendwie entwickelt hat. Ganz ohne Ziel, was auch gut ist, denn dann kann man es auch nicht aus den Augen verlieren. Und auch niemals ankommen.
In seinem Essay „Why I write” identifiziert George Orwell vier Motive für das Schreiben: Sheer Egoism, Aesthetic Enthusiasm, Historical Impulse, und Political Purpose. Mit eigenen Worten zusammengefasst bezieht er Sheer Egoism auf das Verlangen nach eigener Bedeutsamkeit, Aesthetic Enthusiasm auf das Verlangen etwas Schönes zu schaffen, Historical Impulse auf das Verlangen, Dinge so zu sehen wie sie sind und für die Nachwelt festzuhalten und Political Purpose auf das Verlangen die Welt in eine bestimmte Richtung zu bewegen.
Ich habe überlegt, ob ich bei dieser Idee, diesem Projekt, überhaupt eine Rolle spiele. Vermutlich - aber ist es dafür entscheidend, wer ich bin? Wie alt, woher, mit welcher Motivation, welche Erfahrungen mich geprägt haben, vor was ich Angst habe, von was ich nachts träume? Vielleicht - aber vielleicht ist es auch spannender, es nicht zu wissen und sich anhand des Geschriebenen ein eigenes Bild zu malen.
Ich schreibe, um mich selbst zu unterhalten, mich in Dinge und Erfahrungen zu vertiefen, um mich zu motivieren, Dinge zu tun, die ich sonst nie entdeckt hätte. Ich schreibe, um Gefühle und Empfindungen auszudrücken und festzuhalten. Ich schreibe, um nachzudenken und Gedanken zu fassen, die ich sonst wieder vergessen hätte und um Sachen zu behalten, die ich nicht verlieren möchte. Ich schreibe, um Dinge zu verstehen, die mir bisher fremd und unverständlich erschienen.
Schlussendlich sind es Gedanken.
- Kasimir Graf, anno 2026