Eine Liebeserklärung an den Film oder
Cinema Paradiso  05/07/26

"Was du im Leben auch anfängst, tue es mit Liebe. Sowie du die Kabine vom Cinema Paradiso geliebt hast, als du noch ein kleiner Knirps warst." - Alfredo zu Toto

Wie fängt man an, wenn man über Filme schreiben will? Vielleicht mit einer Liebeserklärung – einer Liebeserklärung an so vieles, aber vor allem auch an das Kino, an den FilmCinema Paradiso (1988). Es ist die Geschichte zweier Männer in der verarmten sizilianischen Provinz und ihrer ganz persönlichen Beziehung zum Kino. 

Im Film zeigt sich das Kino von verschiedenen Seiten. Im Saal wird es zum sozialen Erlebnis, das alle Gesellschaftsschichten, Jung und Alt, vereint und selbst der durch kirchliche Moral zensierte Film wird durch die Realität im Saal gebrochen. Doch die Träume des Filmsehens im Saal entstehen durch das Handwerk in der Vorführkabine, mit Pinkeleimer und leicht entzündlichem Nitratfilm. Ein faszinierender, aber trostlos-einsamer Ort für einen Erwachsenen mit immergleichen Filmen und somit immergleichen Träumen wird zum Kontrast des lauten Saals. 

"Heute ist das Kino nur noch ein schöner Traum", heißt es irgendwann gegen Ende und ich kann es so gut nachvollziehen. Ich erinnere mich an eine Zeit in meiner Kindheit und Jugend mit vollen Kinosälen, voll von Leben und Spaß - das Kino als Erlebnis. Ich gehe noch heute gerne ins Kino, aber ich habe mich verändert. Es sind nicht die Kinderfilme oder Blockbuster, die mich vor die Leinwand ziehen, sondern die Exoten. Ich suche die persönliche, intensive Erfahrung, besonders wenn ich alleine im Kino sitze. Ich liebe das Alleinsein im Kino, aber sehne mich danach an der Bar nach einem Gesprächspartner, um das Gesehene zu reflektieren. 

Der Film wirkt wie eine Vorhersage, denn noch mehr als das thematisierte Fernsehen hat wohl das Streaming und die schiere, erdrückende Auswahl an Unterhaltung dem Kino geschadet. Volle Kinos verlangen wenig Auswahl oder massentaugliche Ware. Aber Massentauglichkeit führt zum Verlust des Details, des Gefühls, der Intensität und der Innovation. Das Neue kann scheitern, aber das Bewährte kann sich nicht mehr bewähren. Das Kino stirbt, wie ich es kenne, und der letzte Strohhalm, den ich so gerne greife, sind die „Klassiker zurück auf großer Leinwand.“ Es ist falsche Nostalgie, denn ich war bei den meisten Klassikern zu jung, um sie wirklich auf großer Leinwand zu sehen, aber ich lasse es mir nicht nehmen, diese falschnostalgische Erfahrung zu erleben und die Filme nachzuholen.

Was im Film am Anfang ein Kino voller Menschen und Träume war, wird am Ende eine einsame, höchst persönliche Erfahrung verpasster, doch prägender Momente der Erinnerung.  Doch damit Träume und Erinnerungen bleiben, muss man sich öffnen und weitergehen. Im Film bleibt die einzige unveränderliche Konstante, der Verrückte, der auch Jahre später, behauptet, dass ihm die Piazza vor dem Kino gehöre, obwohl er dafür immer nur von allen belächelt wurde.